Zusammen ist man weniger allein

30.01.2018: Die Zahl der Singlehaushalte steigt. Die größte Gruppe ist, laut Statistik Austria, bei den über 65-Jährigen zu finden. Über 32 Prozent leben österreichweit, oft bedingt durch Trennung oder Tod des Partners, allein. Umso wichtiger ist hier eine gute Nachbarschaft. Wer diese pflegt, lebt länger gesund, fühlt sich zugehörig und unterstützt – das geht aus Studien des Fonds Gesundes Österreich hervor. Deshalb startete Dornbirn unter dem Motto „In guter Nachbarschaft“ das ganz besondere Wohnprojekt im Gasser-Park. Hier leben Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, unter einem Dach. „Mit diesem neuen Modell, in dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner täglich begegnen und gegenseitig stützen, schaffen wir eine neue Form des echten Zusammenlebens“, betont Bürgermeisterin Dipl.-Vw. Andrea Kaufmann. Eine der 24 Wohnungen, von der Stadt Dornbirn angemietet, wäre noch verfügbar.

Gemeinsam die wichtigsten Dinge besprechen.

Robert und Helmut - zwei Männer am Herd helfen mit.

Starke Damenrunde - Heidi, Regina, Christine und Helene

Die 63-jährige Herta rechnet fest damit, dass sie diese Woche die Schlüssel für ihre neue Wohnung erhält. Der 51-jährige Günther dagegen war bei den Ersten, die letztes Jahr in den Gasserpark eingezogen sind. Gemeinsam sitzen sie mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern um den großen Tisch im Gemeinschaftsraum. Unter die Gespräche und das Lachen mischt sich ein verführerischer Duft. „Montags besprechen wir die wichtigsten Dinge“, erklärt Regina, „und weil Karl-Heinz einfach Hunger hat, wenn man sich zusammen setzt, hat er eines Abends Käsfladen mitgebracht.“ Was großen Anklang fand. Deshalb der Entschluss: Es wird gemeinsam gekocht und gegessen. Für diesen Abend hat Heidi einen Lauchstrudel vorbereitet. Während dieser im Backrohr der großen Küche im Gemeinschaftsraum bräunt, wird bereits mit einem Gläschen auf den Abend angestoßen. „Es ist wie eine große Ehe“, tönt es von links. Die Antwort von rechts: „Mehr wie ein Stammtisch im Gasthaus. Wo man sich trifft und über alles reden kann.“ Denn dort, wo früher Textilien produziert wurden, probieren heute die Bewohnerinnen und Bewohner das neue Wohnmodell.

In guter Nachbarschaft
Auf dem 7000 Quadratmeter großen Industrieareal entstand die Anlage für das innovative Wohnprojekt. „In guter Nachbarschaft“ richtet sich an Menschen, die kurz vor der Pensionierung stehen oder bereits in Pension sind. „Gerade in dieser Übergangsphase ist es wichtig, gute nachbarschaftliche Beziehungen zu schaffen. Menschen, die sich hier ehrenamtlich einbringen, profitieren später von diesen Netzwerken. Das macht das neue Wohnmodell so innovativ und zukunftsweisend“, freut sich Sozialstadträtin Marie-Louise Hinterauer. Sich engagieren, das macht Regina mit Leidenschaft. Die 60-Jährige wäre gern Floristin geworden und bringt ihr Talent jetzt für die Gruppe ein. Mit wunderschönen Gestecken dekoriert sie den großen Tisch für den Abend. „Wichtig ist, dass wir das Projekt leben“, betont die spätberufene Mitarbeiterin vom Krankenpflegeverein, die sich sehr aktiv ins Wohnprojekt einbringt und von dem neuen Turnabend am Donnerstag schwärmt. Bewegung begeistert auch Günther, dessen Herz dem Fußball und dem FC Dornbirn gehört. Und der mit Regina einer Meinung ist: „Wenn wir das richtig leben, entgehen wir der Vereinsamung. Wir wohnen nicht anonym. Wir passen aufeinander auf.“ Und so wird miteinander gegessen, getrunken und gelacht. Aber auch mal ein ernsteres Wort gesprochen. Das macht das Leben „In guter Nachbarschaft“ erst so lebendig. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten sind eine Bereicherung für jeden Einzelnen. Gemeinsam mit der neuen Spielgruppe, die in wenigen Monaten startet, und den Ideen der Bewohnerinnen und Bewohnern wird das Wohnprojekt zu einem wertvollen Lebensraum für Generationen.